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Ćevapčići ist ein Teil der kroatischen Küche und ehrlich gesagt ist es mir egal wo es sonst noch ein Teil ist und wie es dort gemacht wird und wo es vielleicht ein Nationalgericht ist oder auch nicht und was dort dazu gegessen wird und überhaupt weiß sowieso niemand wer es erfunden hat und hat somit keinen Anspruch darauf Urheber zu sein. Hier geht es ausschließlich um das was ich serviert bekam und noch bekomme und selber gekocht habe. 

Wann immer ich auf einer Internetseite oder App lande die mit Rezepten winkt und ich mit dem Stöbern beginne, gebe ich erstmal ein paar Suchbegriffe ein. Sozusagen um zu checken, wie die Rezeptsammlung tickt. So wie früher beim Taschenrechner. 10 ÷ 3 = 3,3333333‘ x 3 = 10. Wäre es 9,9999999‘ dann ist es ein schlechter Taschenrechner. 
Die erste gesuchte Rezeptur ist Ćevapčići. Die Aussprache ist einfach, oder? 
Es gibt Rezepte aus einem gewissen Forum oder mittlerweile auch Magazin, da schreiben sich Unwissende Rezepte und verbreiten diese und dann fängt die Bauchpinselei an. Es gibt dann gruselige Rezepturen mit Paprikawürfeln, Zwiebelwürfel, Ajvar, Ei, Weißbrot, Backpulver, Semmelbrösel, Majoran und Petersilie usw.
Das alles gehört irgendwohin, aber nicht in einen Ćevap.

Wie es gemacht wird steht weiter unten. Was darin enthalten ist steht hier: 
- Rind, Rind und Schwein oder Rind und Lamm oder Rind oder Lamm oder Kalb
- gemahlenes Salz 
- frisch gemahlener Pfeffer 
- edelsüßes Paprikapulver 
- geriebene oder gepresste Knoblauchzehen 

Als kleines Kind habe ich diese Dinger verschlungen wie ein Wahnsinniger.

Ich bin mit einem Segen und Fluch aufgewachsen. 

Ein Restaurantkind zu sein, mag für Außenstehende toll klingen, im Grunde war es das auch in gewisser Hinsicht, aber wenn man zu Geburtstagen eingeladen wird oder mit der Schule für 1 oder 2 Wochen unterwegs ist und mit Essen konfrontiert wird, das nicht auf der Menükarte draufsteht mit der man aufgewachsen ist, dann wird es sehr schwierig. Jung, schüchtern und will nichts sagen oder fragen, blöde Kombination. 
Ich erinnere mich an das erste Mal mit einer Senfgurke konfrontiert worden zu sein. Sie sah gelb und eitrig aus und es roch auch noch säuerlich. Meine Mitschüler mampften es, als wäre es normal und ich wollte eigentlich nur ein Cordon Bleu mit Pommes. Ich war wie Robinson Crusoe, gestrandet in einer Welt, auf die mich niemand vorbereitet hat. Ich aß dann alles andere stattdessen, damit ich nicht ganz dem Hunger ausgesetzt war. 
Ein Anschein von Abschweifung folgt jetzt, dennoch gibt es einen Grund warum ich es erzähle, da ich oft genug als kleinlich oder als Korinthenkacker tituliert wurde und werde.
Es gibt einige Menschen, die gerne Grenzen verwischen oder vieles nicht allzu genau nehmen. Es kann natürlich befreiend sein, locker und gechillt zu leben, doch leider funktioniert das nicht in allen Lebenslagen. 
Wenn ich ein Wiener Schnitzel bekomme, dann ist das 100% Kalbfleisch und nichts anderes. Sollte ich ein anderes Fleisch auf dem Teller vorfinden, dann hat das bedienende Personal entweder Schnitzel Wiener Art geordert oder man sieht alles nicht so eng in der Küche, Hauptsache es schmeckt. Problem daran ist dennoch der preisliche Unterschied, manchmal bis zu 20,00 EUR mehr. 
Auch lapidare Menükarten sind ein Graus. 
Ich bestellte aus reiner Unverträglichkeit und Lust darauf, so wie es auf der Menükarte stand, Schweinemedaillons mit Gemüse und Kroketten. Ich bekam überraschenderweise noch eine fette Sahnesauce mit Champignons darüber. 
Geschmacklich sehr gut, nur nicht für mich geeignet. Die Quintessenz lautet: Ungenaues Fragen oder Sagen bzw. Arbeiten führen zu Ergebnissen, die man sich so nicht gewünscht hat.

In unserer Restaurantküche sah ich oft meinem Vater oder einem unserer Köche zu, wie sie die Fleischmasse mit den Gewürzen vorbereiteten, für Ćevapčići und noch ein weiteres Gericht, dazu später mehr. 
Für die Gäste muss es natürlich immer die gleichbleibende Kombination aus Fleisch und Gewürzen sein, damit es nicht irgendwann heißt "letztes Mal hat es ganz anders geschmeckt". Nein, es muss heißen "es schmeckt wie immer wunderbar". 
 
Grundsätzlich heißt es: keep it simple (halte es einfach). 

Man muss bedenken, die Idee von Ćevapčići ist uralt und ist recht rustikal. Das bedeutet, es wurde eher in ländlichen Gebieten hergestellt und gegessen. In einer Zeit als eine Jahreszeit eine Vorbereitung war, eine für die Ernte und eine andere Jahreszeit Entbehrung bedeutete. 
Verfügbares Fleisch war dort meistens vom Schwein oder vom Rind. In manchen Gegenden war es auch mal Lamm, natürlich auch Huhn, aber dieses Mal sind diese nicht dabei. 
Am besten wird es mit einer Mischung aus Sehnen-freiem Fleisch. Bitte das Fett nicht wegschmeißen. Es müssen nicht Unmengen an Fett sein. So viel zumindest, damit das Fleisch zusätzlichen Geschmack bekommt und saftig bleibt. 
Schneidet man alles Fett weg, kann es sein, dass das Fleisch trocken wird und da hilft auch keine Sauce mehr. 
Ich gehe nun von 1 kg Fleisch aus. Das wäre in diesem Fall Schwein 50% und Rind 50% aus. Rind und Lamm funktionieren auch oder nur Rind. Ich gebe keine weiteren Gramm oder Kilogramm an, da es je nach eigenem Gusto gelingen soll, bzw. nach eigenem Gefühl. Außerdem, kochen ist nicht backen und somit läuft nicht alles komplett schief bei der Zubereitung.
Das Fleisch zwei Mal durch den Fleischwolf drehen, aber nicht so sehr, dass es aussieht wie Wurstbrät. Etwas feiner als Hamburgerfleisch. Irgendwann findet man selbst seine Präferenz. 
So viele Knoblauchzehen wie gewünscht in die Hackfleischmasse pressen. Zwei oder drei sind schon recht viel. Bitte den Knoblauch nicht fein würfeln. Reiben geht auch (auf die Finger aufpassen). Gemahlenes Salz, frisch gemahlener Pfeffer und edelsüßes Paprikapulver hinzugeben, je nach Geschmack und dann alles gut vermengen. Wer noch nie Hackepeter (Met) oder Beefsteak Tatar gegessen hat, bekommt jetzt die Gelegenheit alles gleichzeitig zu probieren (bei der Version mit Lamm bin ich mir nicht so sicher, ob man es im rohen Zustand probieren sollte). Wenn es schmeckt ist es fertig gewürzt, wenn noch was fehlt, nachwürzen. 
Immer daran denken, nachwürzen kann man meistens (nicht immer). 
Das war alles. 
Mehr kommt da nicht rein.
Es ist ein einfaches ehrliches Gericht ohne Schnickschnack. 

Wer jetzt glaubt die Dinger mit der Hand zu formen, ist nun auf dem Holzweg. 
Die Handformung ist vielleicht recht rustikal, aber diese sehen letztlich nicht sehr, naja, lecker aus. 
Zum Fleischwolf gibt es einen Aufsatz der wie ein Trichter geformt ist. Mit diesem Trichter könnte man auch Würste mit Pelle machen, aber nicht jetzt. Sollte kein Trichter dabei sein, holt euch einen. Manche Kaufhäuser oder Fachgeschäfte haben so was und das Gute daran, dass das nicht sehr viel kostet und später kann man es noch weiter verwenden. Beim Kauf auf die Größe des Trichters achten. 


Da man keine 3 Hände hat, sollte vielleicht noch eine mithelfende Person dabei sein, um das Hackfleisch oben hineinzupressen und zu drehen. Die Hand an der Trichteröffnung als Maß hinhalten. Handbreit sollte ein Ćevap werden, aber auch hier gibt es keine Grenzen, alles nach eigenem Geschmack. 
Ab damit auf den Grill, Grillpfanne  oder Pfanne. 
 
Bitte noch am selben Tag verbrauchen. 
 
Die Beilagen sind: Pommes, Djuvećreis, gewürfelte Zwiebeln und Ajvar, vielleicht noch ein Pfefferoni. 
 
Das Rezept zum Djuvećreis gibt es bald auch hier. 

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